Ratgeber

Was ist, wenn es regnet?

31. August 2026

Die Frage kommt selten am Anfang. Sie kommt im Frühjahr vor der Hochzeit, meistens per Mail, und meistens etwas kleinlaut: Und was ist, wenn es regnet?

Die kurze Antwort: Es wird trotzdem ein guter Tag, und die Bilder werden nicht schlechter. Die lange Antwort hat Zahlen, deshalb fange ich damit an.

Wie oft es auf Mallorca wirklich regnet

Ich habe die Wetterdaten für Palma aus zehn Jahren durchgerechnet, von 2015 bis 2024. Als Regentag zählt ein Tag mit mindestens einem Millimeter Niederschlag, also alles ab einem ordentlichen Schauer.

MonatRegentageSpanne über zehn JahreNiederschlag
April7,40 bis 1251 mm
Mai6,93 bis 1640 mm
Juni4,72 bis 1030 mm
Juli2,00 bis 57 mm
August4,30 bis 822 mm
September9,57 bis 1468 mm
Oktober8,96 bis 1564 mm
Mittelwerte für Palma, 2015 bis 2024. Datenquelle: Open-Meteo. Die Spanne zeigt, wie stark einzelne Jahre abweichen.

Interessanter als der Monatsschnitt ist aber die Frage, die euch wirklich umtreibt: Wie wahrscheinlich erwischt es ausgerechnet euren Tag? Dafür habe ich alle Samstage von Mai bis September aus diesen zehn Jahren angesehen, 218 Stück.

  • 155 Samstage waren komplett trocken. Das sind 71 Prozent.
  • 25 Samstage hatten unter einem Millimeter, also kaum mehr als ein paar Tropfen.
  • 29 Samstage hatten leichten Regen zwischen einem und fünf Millimetern.
  • 6 Samstage hatten spürbaren Regen.
  • 3 Samstage hatten kräftigen Regen über fünfzehn Millimeter. Drei, in zehn Jahren.

Anders gesagt: In vier von fünf Fällen merkt ihr vom Wetter gar nichts. Und der Fall, den ihr euch im Kopf ausmalt, der Tag, an dem es durchregnet, kam in zehn Jahren dreimal vor.

Brautpaar umarmt sich über einem Wolkenmeer, weiches Licht bei bedecktem Himmel

September ist nicht Juli

Ein Blick in die Tabelle zeigt den größten Unterschied der Saison. Im Juli regnet es an zwei Tagen im Monat, und der nasseste Julitag der letzten zehn Jahre brachte acht Millimeter. Das ist ein Schauer, mehr nicht.

Im September regnet es an fast zehn Tagen, und der nasseste Septembertag brachte achtzig Millimeter. Das ist das Zehnfache. Der Herbst auf Mallorca bringt Gewitter mit, die aus dem Nichts kommen und nach zwei Stunden wieder weg sind. Wer im September oder Oktober heiratet, sollte das nicht ignorieren, sondern einplanen.

Das heißt nicht, dass der Herbst ein schlechter Monat ist. Er ist einer der schönsten: milde Luft, warmes Licht, weniger Trubel. Er verlangt nur einen Plan B, während man im Juli ohne einen davonkommt.

Was Regen mit den Bildern macht

Jetzt kommt der Teil, den mir kaum jemand glaubt, bevor er die Bilder gesehen hat: Bedeckter Himmel ist zum Fotografieren oft besser als praller Sonnenschein.

Wolken sind ein riesiger Diffusor. Sie nehmen dem Licht die Härte, und plötzlich gibt es keine Schatten mehr in den Augenhöhlen, kein Kneifen, keinen Kontrast zwischen hellem Kleid und dunklem Anzug, an dem die Kamera scheitert. Genau die Probleme also, die euch die Mittagssonne im Juni beschert, löst eine geschlossene Wolkendecke von allein.

Dazu kommt die Stimmung. Ein grauer Himmel über der Tramuntana sieht dramatisch aus, nicht trist. Nasser Stein wird dunkel und glänzt. Und wenn nach einem Schauer die Sonne durchbricht, bekommt ihr ein Licht, das an einem wolkenlosen Tag schlicht nicht vorkommt.

Wolkenmeer über der Tramuntana, die Sonne dahinter

Der Plan B, den ihr wirklich braucht

Er besteht aus einem einzigen Punkt: eine überdachte Fläche, die groß genug für alle ist. Alles andere ergibt sich daraus.

Fragt bei der Besichtigung nicht, ob es einen Plan B gibt, sondern lasst ihn euch zeigen. Ein Innenhof mit Arkaden, ein Saal, ein Zelt. Und stellt euch dabei die unbequeme Frage: Würdet ihr dort auch feiern wollen, wenn die Sonne scheint? Wenn nein, ist es kein Plan B, sondern ein Notausgang.

Bei Samantha und Julian auf La Fortaleza fing der Tag mit Regen an, grau über der Bucht und nass auf den Terrassen. Empfangen wurden die Gäste unter einem großen Beduinenzelt, das an diesem Morgen sehr gelegen kam. Am Nachmittag riss der Himmel auf, und getraut wurde draußen unter hohen Bäumen. Ohne das Zelt wäre der Vormittag ein Problem gewesen. Mit ihm war er eine Randnotiz.

Drei Kleinigkeiten, die viel bringen

  • Durchsichtige Schirme. Zehn Stück reichen. Weiße oder bunte Schirme werfen Farbe ins Gesicht, durchsichtige nicht.
  • Eine Stunde Luft im Zeitplan. Mallorquinische Schauer dauern selten länger. Wer verschieben kann statt umplanen zu müssen, hat gewonnen.
  • Ein zweites Paar Schuhe. Für nassen Rasen. Das rettet mehr Stimmung, als man denkt.

Was ich mache, wenn es regnet

Ich schaue morgens auf das Regenradar, nicht auf die Wettervorhersage. Die Vorhersage sagt euch, dass es an diesem Tag regnen wird. Das Radar sagt mir, wann und wie lange. Daraus wird dann ein Vorschlag: Lasst uns das Paarshooting um sechs machen statt um fünf, dann ist der Schauer durch.

Und wenn es doch durchregnet, gehen wir raus. Nicht lange, zehn Minuten reichen. Mit einem Schirm, auf nassem Stein, unter tief hängenden Wolken. Diese Bilder sehen anders aus als alle anderen an eurem Tag, und sie sind fast immer die, über die ihr später am meisten redet.

Freie Trauung auf einem Bergrücken, Wolken ziehen unterhalb vorbei

Wovon ich abrate

Von einer Location, die keinen überdachten Bereich hat und bei der die Antwort lautet, das gehe schon irgendwie. In den Bergen und an exponierten Stellen an der Küste ist das häufiger, als man denkt. Wer dort im September heiratet, geht ein Risiko ein, das sich nicht auffangen lässt.

Und ich rate davon ab, die Entscheidung ans Wetter zu hängen. Ihr könnt es nicht beeinflussen, ihr könnt euch nur darauf einstellen. Alles andere kostet euch die Wochen vor der Hochzeit an Nerven, und die braucht ihr für Schöneres.

Die Hochzeit, über die heute noch geredet wird

Dass Regen bei einer Hochzeit auch ein Segen sein kann, möchte ich euch anhand einer Geschichte erzählen, die ich wirklich so erlebt habe. Ich habe eine Hochzeit in der Finca Biniorella bei Camp de Mar fotografiert und der Tag verlief recht gewöhnlich, alles nach Plan.

Doch dann der Regen: es fing genau in dem Moment an, in dem das Dinner beginnen sollte. Nicht ein paar Tropfen, sondern richtig. Die Gäste rannten ins Anwesen oder unter das Nächstbeste, das ein Dach hatte. Die Braut stand da und war den Tränen nahe, und ich hätte ihr in diesem Moment nichts sagen können, was geholfen hätte.

Ein paar Gäste hatten die bessere Idee. Sie gingen zum DJ und ließen „It’s Raining Men“ auflegen, dann zogen sie die Braut auf die Tanzfläche. Die lag im Freien. Der DJ hatte seine Technik unter Plastikfolie gepackt und bediente sie halb blind. Nach zwei Minuten standen achtzig Leute im Regen und tanzten, nach dem Motto: Feiern? Jetzt erst recht.

Der Caterer reagierte genauso schnell. Aus dem Menü wurde kurzerhand ein fliegendes Buffet, und er versorgte die Leute an ihren Unterständen mit Häppchen, immer Nachschub, immer im richtigen Moment. Irgendwann hörte es auf zu regnen. Die Party riss bis nach Mitternacht nicht ab. Das Dinner war buchstäblich ins Wasser gefallen, und der Abend war einer der besten, die ich fotografiert habe.

Das ist der eigentliche Punkt, und deshalb steht diese Geschichte am Schluss: Pannen sind Geschenke. Ein Tag, an dem alles glatt läuft, ist ein schöner Tag. Aber erzählt wird später von dem Abend, an dem achtzig Leute im Regen getanzt haben. Ihr entscheidet selbst, wie ihr durch diesen Tag geht und woran ihr euch erinnern wollt. Und solange die Panne kein Riss im Erdboden ist, der die ganze Gesellschaft verschluckt, ist sie in aller Regel ein Geschenk.

Wenn ihr wissen wollt, wie es an eurem Datum aussieht: Schickt mir Datum und Location, dann sage ich euch, was der Ort bei Regen hergibt. Alles Weitere zur Planung steht im Überblick zum Heiraten auf Mallorca.

Ihr wollt auch auf Mallorca heiraten?

Schreibt mir euer Datum, dann prüfe ich meine Verfügbarkeit.


Fotografiert und geschrieben von Danyel André, Hochzeitsfotograf auf Mallorca.

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